Wenn die frohe Botschaft zweimal klingelt

Mist, meine Tarnung als „scheinbar Angehörige einer Glaubensrichtung“ scheint aufgedeckt worden zu sein. Denn der Missionarsradar hat meine Existenz als quasi vogelfreie Gläubigerin entdeckt. Bereits zum 2. Mal in kürzester Zeit läuteten Zeugen einer besonderen Offenbarung bei mir an. Ja genau, die Zeugen Jehovas haben auch meine kleine Festung entdeckt und versuchen sie gerade zu erobern. Wahrscheinlich ist das die Retour-Kutsche der „heiligen Kirche“. Vermutlich schickt sie aus Rache die Adressen der Ausgetretenen an die Zeugen Jehovas. So nach dem Motto: wer nicht brav ist und sich auch noch einbildet offiziell glaubenslos sein zu müssen, dem hetz ich halt die Zeugen Jehovas an den Hals. Na jedenfalls habe ich jetzt den Salat. Gut-Mensch wie ich nun mal bin habe ich immer ein offenes Ohr für jemandem mit einem Anliegen. Zeugen JehovasUnfreundlichkeit ohne bestimmten Grund widerstrebt meinem Naturell und so lasse ich jeden wenigstens etwas zu Wort kommen. So auch in diesem Fall. Mann muss aber auch sagen, dass die Masche der Zeugen Jehovas sich  etwas geändert haben dürfte. Marketing und Werbestrategien haben auch bei ihnen scheinbar Einzug gehalten. Also rein menschlich gesehen, waren die 2 Besuche, die allerdings vor meiner Tür endeten, wirklich als nett zu bezeichnen. Das erste Mal stand ein älteres Ehepaar vor mir – ich nehme es halt an, dass es ein Ehepaar war. Alterstechnisch hätte es schon mal gepasst. Egal wie dem jetzt war, auf spiritueller Ebene waren sie bestimmt ein Paar. Aber weiter. Beide strahlten mich derart an, dass ich meine Augen etwas zusammenkneifen musste. Vielleicht war es aber auch die Sonne die mir die Sicht nahm. Man weiß es nicht so genau. Jedenfalls verlief dann doch alles ziemlich kurz und schmerzlos. Sie „wollten ja gar nicht lange stören“, mir nur einen schönen Tag wünschen und mir dabei eine Mini-Broschüre überreichen. Zwar schon mit der Befürchtung, dass dies der Anfang einer Never-Ending-Story sein könnte, nahm ich die Broschüre entgegen. Denn ich wollte ohne große Erklärungen einfach wieder zu meinem nachmittagsfüllenden Fernsehprogramm zurückkehren.

Gestern war es dann wieder so weit. Ein weiteres Klingeln – eine weitere frohe Botschaft. Diesmal war die ältere Frau in Begleitung einer potentiellen  „Next Germany’s Topmodel“-Kandidatin. Wäre ich ein Single-Mann gewesen, ich hätte wahrscheinlich nicht lange gefackelt und würde jetzt meine Blogs als Zeuge Jehova weiter schreiben. Ist das jetzt eine weitere neue Werbestrategie des Glaubensvereins? Hübsche, sympathische junge Menschen auf die „Noch zu Bekehrenden“ anzusetzen um zu zeigen wie hip, jugendlich und vor allem attraktiv die Welt der Zeugen Jehovas doch sei –  möglich. Jedenfalls war ich wieder mal so nett und habe mir diesmal sogar was aus der Bibel vorlesen lassen. BibelDa ich auch Audio-Hörbücher gerne habe, warum sich nicht auch so mal was vorlesen lassen. Die Wohnungstür war mir auch diesmal ein enormer Halt. Denn die mir zugedachte Offenbarung fand ich zum Teil – wie soll ich jetzt sagen – recht „erfrischend“, dass ich innerlich schon lachend zusammengebrochen bin. Nach außen hin konnte ich meine Haltung aber zum Glück wahren. Anderer Leute Glauben ins Lächerliche zu ziehen liegt mir nun mal nicht. Glaubensfreiheit für alle und zum absolut sensationellen Nulltarif, lautet bei mir das Motto. Als es soweit war sich zu trennen, habe ich diesmal schon eine größere Broschüre überreicht bekommen. Wenn das so mit der broschürlichen Vergrößerung pro Besuch weitergeht, was bekomme ich dann das nächste Mal überreicht, vielleicht gleich die ganze Bibel? Aber keine Sorge da draußen. Mein Glaube an Glaubensfreiheit ist total glaubhaft gefestigt. Irgendwo einschreiben kommt für mich außerdem gar nicht in Frage, eventuell noch bei einem Töpferkurs oder so, aber das war’s dann schon. Alles andere kommt mir nun mal  nicht in meine „Glaubenstüte“. Und solange es sich bei der Klingelei um die Zeugen Jehovas handelt ist ja noch alles ok. Die kann man stressfrei wieder wegschicken. Richtig nervig wäre es, wenn die Leute von der GIS bei mir auftauchen würden…..

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4 Gedanken zu “Wenn die frohe Botschaft zweimal klingelt

  1. Also ich hab Freunde, die Zeugen Jehovas sind (jede Menge Bekannte in anderen Glaubenskreisen von Asatru über Wicca bishin zu Aumismus..) und ich komme mit denen wunderbar aus. Viellleicht liegt das aber auch an meinem philosofischen Interesse. Zumindest habe ich mich mit dieser Glaubensgruppe länger auseinander gesetzt und kann sagen: In vielen Dingen sind die echt gut, in manchen schwach und insgesamt ticken die auch nicht sauberer als der rest der dogmatischen Gnostiker (ohne wen beleidigen zu wollen, nur meine sehr platt und knapp kommentierte -weitaus mehr umfassende-Meinung dazu). Was meinste wie doof die schaun, wennste die reinbittest 😀 deren Bibel hab ich übrigens, ist gar nicht verkehrt. Ist ne nette Alternative zu Luther und super zum Textstellen-Suchen.

  2. wie bereits erwähnt ich respektiere alle Glaubensansichten, finde sie ja selber spannend. Noch dazu lassen sich bei genauerer Betrachtung so viele Gemeinsamkeiten finden. Hatte bereits die Möglichkeiten voll ausgeschöpft mich auch mit anderen Religionsanhängern über ihre Ansichten zu unterhalten. Aber ich bevorzuge es mir dann doch meine eigene Sicht der Welt zu behalten, die sich wohl in keine Schublade stopfen lässt 😉 Ich habe einfach die Situationen damals so enorm witzig gefunden, dass ich sie einfach in eine kleine Geschichte packen musste. Wären die Zeugen nicht so nett gewesen, wäre wahrscheinlich ein ganz anderer Text dabei rausgekommen. Statt den Zeugen J. hätte der Blog auch von anderen Anhängern einer Glaubensgemeinschaft handeln können, diese haben aber bislang noch nicht angeläutet 😉

  3. Ich denke, ich gab den 2 Erleuchteten etwas zu denken, die sich an meine Haustüre verirrten. Tatsächlich scheinen jetzt älterrer Mann mit ’sehr‘ jungen Mädchen auf Tour von Tür zu Tür zu wandeln. Den obligaten Spruch des jungen bleichen Mädchens ‚ich tue alles freiwillig‘ brachte mich auf Touren und ich denke, das etwas schüchtern wirkende Mädchen erhielt etwas zum nachdenken und ich währe nicht überrascht, dass sie eventuell nach diesem Gespräch stützende Hilfe bei mir ersuchen wird, ganz ohne Heiligenschein. Jetzt ohne Sarkassmus…die Art und Weise dieser Sekte ist für junge Leute eine echte Gefahr, bringt sie in eine Abhängigkeit, welche schwer zu entrinnen ist. Jedenfalls glaube ich, dass meine Haustüre als ‚Tor des Unheilvollen‘ zukünftig gemieden werden wird.

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