Billa – davor hat mich der Hausverstand nicht gewarnt

Ein gutes Mittel um seine Stressresistenz zu testen ist die Wurst- und Käseabteilung beim Billa um halb acht Uhr morgens. Der Grund dafür wird nur ein paar Zeilen später offensichtlich. Da die Uhren in der Früh definitiv um einiges schneller gehen, als später in der Arbeit, habe ich am Morgen immer dezenten Stress. Naja den Stress bekomme ich noch nicht ganz so mit, denn eigentlich befinde ich mich noch im Halbschlaf. Wenn in aller Herrgotts Frühe auch der Kühlschrank leer ist, heißt es ab zum nächsten Supermarkt meines Vertrauens und noch schnell etwas zu Essen kaufen. Denn mit einem leeren Magen geht das Arbeiten schon mal gar nicht. Da ich ja aber arbeiten muss, bleibt mir nichts anderes übrig, als den Hungerzustand für die nächsten Stunden zu verbannen. Also ab aufs Rad und nichts wie hin zum Billa. Das sagt mir jetzt nicht mein Hausverstand, sondern ergibt der Zustand, dass der Billa direkt an meiner Wegstrecke zur Arbeit liegt. Gleich beim Eingang erwartet mich die Abteilung meines Anliegens. Und dann geht es auch schon los mit tief einatmen und Geduld haben. Denn um diese Uhrzeit sind die Verkäuferinnen hier besonders damit beschäftigt, sich furchtbar interessante Geschichten des Vortages zu erzählen. Klar, innerhalb von 24 Stunden kann sich ja die ganze Welt verändern – also zumindest die Welt der Billa-Wurst-und-Käse-Verkäuferinnen. Vor der Theke stehende Kunden haben dafür Verständnis aufzubringen und vor allem zu warten. Denn ohne Verkäuferin kein frisch belegtes Brötchen. Natürlich würde ich mich auch mit einem vorgefertigten Produkt zufrieden geben, allerdings bin ich Vegetarierin und wie es scheint die einzige in dieser Gegend. Denn alle Weckerl und Brote sind mit Wurst belegt – oder sind vielleicht alle Vegetarier Hardcore-Frühaufsteher und haben bereits vor meinem Eintreffen das Wurstlose Fertigsortiment aufgekauft? Wie auch immer, es bleibt mir gar nichts anderes übrig als mich brav hin- oder auch anzustellen und zu warten und zu warten. Wenn es dann doch mal so weit ist, dass Kunden bedient werden, dann kann man sich auf ein längeres Prozedere einstellen. Mit aller Zeit der Welt wird dann gemütlich das jeweilige Wunschprodukt geschnitten, gewogen und verpackt. So auch beim letzten Mal. Ich stellte mich geduldig hin – es waren nur 2 Leute vor mir und die wurden schon bedient. Da hatte ich tatsächlich noch die Zuversicht etwas schneller wieder draußen zu sein. Weit gefehlt. Während meiner Wartezeit wäre sich wahrscheinlich auch „Krieg und Frieden“ zu lesen ausgegangen. Ja selbst wenn ich vorher noch eigenständig eine Kuh gemolken, Käse gemacht und das dazugehörige Brot gebacken hätte, wäre ich wahrscheinlich schneller gewesen! Doch plötzlich war es soweit, die eine Verkäuferin hat ihren Auftrag des vorangegangenen Kunden abgeschlossen. „Super“, dachte ich mir, „jetzt bin ich dran!“. Oder auch nicht. Obwohl ich schon wieder eine gefühlte und wahrscheinlich auch tatsächliche Ewigkeit warte, bemühte sich die Verkäuferin nicht mir meinem Wunsch endlich nachzukommen. Nein, zuerst muss sie noch sauber machen, aber nicht die Wurstschneidemaschine oder so, was mir ja noch eingeleuchtet hätte, nein, der hintere Arbeitsplatz, wo sie vorher angefangen hatte belegte Brote zu machen, bedurfte plötzlicher Reinigung. „Na klar, machen sie ruhig – ich habe alle Zeit der Welt und Pünktlichkeit am Arbeitsplatz, was bedeutet das schon heutzutage …“ hätte ich gerne gesagt, war aber total verkrampft dabei irgendwelche Entspannungsmantras vor mich hin zu sagen. Stunden später hatte ich meinen Käsekornspitz und Pudding und radelte was das Zeug hielt gen Arbeit. Wer sich jetzt denkt, dass dies ein einmaliges Erlebnis und noch dazu in bloß einer Filiale vorgekommen sei, der täuscht. Gewaltig. Mindestens 3 Filialen des öfteren von mir um die gleiche Uhrzeit in Anspruch genommen, können diesen Eindruck bestätigen. Es bleiben mir somit folgende Optionen offen: 1. Früher Aufstehen – weniger Stress beim Warten. 2. Immer ein Frühstück parat zu Hause haben – gute Alternative erfordert aber auch irgendwie Option 1. 3. Alles so lassen wie es ist und sich das nächste Mal was zum Lesen mitnehmen. Die Zeit wird es noch zeigen, ich gehe jetzt mal was essen. Mist der Käse ist schon wieder alle, sollte ich vielleicht noch schnell zum Billa schauen …?

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4 Gedanken zu “Billa – davor hat mich der Hausverstand nicht gewarnt

  1. Sandra, so cool und so wahr. Du hast mir von der Seele geschrieben, ich erlebe das jeden Tag aufs Neue wieder und wieder. Und wirklich nur beim Billa.
    Dein Stil – supergenial. Die neue Sandra von Kürthy, oder Sandra Brown 🙂

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