Wien – ein (unfreiwilliger) Ausflug

Effizienz, Ökonomie und studentenfreundliches Bearbeiten diverser Anliegen sind auf der Uni Wien wie es aussieht alles andere als erwünscht. Alles doppelt und dreifach erledigen, immer wieder vorbeikommen müssen, langes warten, eventuell auch umsonst, das gehört hier zum Standardprogramm. zum spektakulären Haareraufen ist das.  So ergeht es auch mir an diesem Tage. Zwar noch rechtzeitig vor Ort, aber doch schon zu spät um an diesem Tag an die Reihe zu kommen. Der Ansturm, einfach zu groß. Somit bleibt einem nichts anderes übrig als seinen Wien-Aufenthalt zu verlängern und es morgen noch einmal zu probieren. Auch wenn man alles andere als erfreut darüber ist, muss man sich damit nun mal arrangieren und sich einen schönen Tag machen. Zuerst wird noch die passende Möglichkeit zur Übernachtung geklärt und dann kann es los gehen.

Das erste Ziel: eine kulturelle Stätte. Derzeit läuft im Kunstforum Wien die Frida Kahlo Ausstellung. Schon seit Jahren wünsche ich mir eine Begegnung mit ihren Werken. Das Universum hat es besonders gut mit mir gemeint und macht es mir somit möglich. Die Gunst des Universums findet allerdings vor dem Kunstforum ein jähes Ende. Eine lange Schlange schlängelt sich schlangenartig vor den Toren der mir angepeilten Stätte. Da geht man doch lieber mal einen Kaffee trinken. Gestärkt kann man sich dann der einmaligen Welt der Künstlerin Frida Kahlo widmen. Drinnen angekommen wurlt es  wie beim Abverkauf. Ameisenartig zieht die Menge von einem Bild zum anderen. Schulklassen verbarrikadieren Ewigkeiten lang die ganz besonderen Werke. Bemüht selbst eine gute Blickposition zu erhaschen bzw. nicht in die Blickrichtung anderer zu geraten macht man so seine Runde. Im Hintergrund wird Schülern das Leben Frida Kahlos und ihr Schaffen näher gebracht. Auch die Geschichte über ihren schweren Unfall darf hier nicht fehlen. Die Künstlerin musste nach diesem Unfall 9 Monate in Gips eingewickelt im Bett verbringen. Auf die Frage hin, was die Schüler machen würden, müssten sie 9 Monate im Bett verbringen, kommt sofort die passende Antwort: „fernsehen“. Klar, was denn sonst! Ich gehe weiter. Bin fasziniert von der Künstlerin und ihren Werken. Von ihrem Leben, ihrem Schicksal, ihrer Betrachtung der eigenen Lebensumstände. Stärke, Zerbrechlichkeit spiegeln sich in ihr selbst und in ihren Bildern wieder. Selber kann man diese zwei besonderen Merkmale mehr als nachvollziehen. Ist doch auch das eigene Leben dadurch gekennzeichnet die eigene Zerbrechlichkeit immer wieder durch enorme Stärke zu beschützen. Noch in diesen Gedanken versunken verlasse ich die Ausstellung.

Da ich mein Netbook ungeschickterweise nicht mit dabei habe, besorge ich mir ein kleines stylisches Notizbuch. Denn meine Gedanken schwirren wie immer unaufhörlich in meinem Kopf herum und müssen ihren Weg nach draußen finden. Es passt allerdings in dieser von Geschichte geprägten Stadt zu altherkömmlichen Mitteln zu greifen. So sitze ich jetzt hier im Kaffeehaus Prückl. Ebenso von Geschichte und Erlebnissen geprägt wie die gesamte Stadt. Hier kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen und Wien einatmen. Einatmen schon allein deswegen, weil es hier auch dementsprechend riecht. Während im gesamten Land rauchfreie Lokale überhand nehmen, wird hier noch der klassischen Kaffehausmentalität gefrönt. Rauchen ist hier noch erlaubt und verleiht den Räumlichkeiten diesen mysteriös nebeligen Charakter. Auch die Einrichtung erinnert an die glanzvollen Zeiten von damals. Wien wie es leibt und lebt. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Scheint vielmehr seinen eigenen Parametern zu folgen. Zeit wird es letztendlich auch für mich diesen Ort voll Atmosphäre zu verlassen…..

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