Sind wir nicht alle Nachbarn?

Entscheidet man sich für eine Wohnung, entscheidet man sich zwangsläufig auch am Leben der Nachbarn teilzunehmen. Mal freiwillig und mal gleicht es fast schon einer Nötigung. Das schöne Dasein in einer Wohnanlage hat auf jeden Fall so einiges zu bieten.

Bezüglich Lärmbelästigung habe ich in meinem Mieter-Dasein ja schon einiges erlebt. Mein absolutes Highlight in dieser Hinsicht hatte Wien zu bieten. Als junge Studentin mit eher kleinerem Einkommen hatte ich mich für eine schmucke Garconniere entschieden gehabt. 25 m2, gleich neben der Urania und nur ein Katzensprung vom Schwedenplatz entfernt. Beste Lage, schlechteste Nachbarn. Ich hatte nämlich dabei das unfreiwillige Vergnügen innerhalb eineinhalb Jahre die Mietpartei links von mir besser kennenzulernen. Aber nicht nur die Bewohnerinnen, nein vor allem ihre musikalischen Lebensuntermalungen haben mir dabei den letzen Nerv Lärmbelästigung durch Nachbarngeraubt. Die Vorliebe für schmachtende Herz-Schmerz-Orientalmusik war unüberhörbar. Die volle Dröhnung gab es ab spätestens 7.30 Uhr in der Früh bis Minimum 24.00 Uhr spät Nachts. Die Lautstärke erreichte tagtäglich eine Lärmmessung ähnlich wie am Wiener Flughafen. Die Folge: nervliche Zusammenbrüche und angeschwollene Fäuste vom Wändeklopfen, sowie ein überanspruchter Zeigefinger vom Klingel läuten. Same procedure as every……day hieß es da. Wenn überhaupt die Tür geöffnet wurde kam mein übliches, vor allmählicher Resignation dahingeleierte „Bitte Musik leiser drehen, denn ich drehe schon völlig am Rad!“ oder das obligatorische „So kann ich nicht lernen!“. Mein Erfolg: eine Schonfrist von zumindest 3 Stunden. Denn meine Nachbarn konnten es sich wahrscheinlich nicht vorstellen, dass jemand freiwillig mehr als 3 Stunden über seine Bücher gebeugt sitzen konnte. Vielleicht wollten sie mir auch etwas Freude bereiten in dem sie mir Musik rüberspielten. Wahrscheinlich ging es in den Liedern um arme Studentinnen die den ganzen Tag nichts vom Leben hatten, weil sie nur am lernen waren. Wie dem auch sei oder eigentlich war, nach diesen 3 Stunden ging es wieder los. Da stellt sich einem doch die Frage: wenn mein Nachbar mich in stoischer Regelmäßigkeit rausläutet, mit dem Anliegen meine Musik leiser zu drehen, würde ich da nicht mal auf die Idee kommen, dass meine Musik-Hör-Stärke nicht dem üblichen Habitus eines Mietshauses entspricht? Würde ich dann nicht versuchen den Lärmpegel etwas niedriger zu halten, schon allein um nicht ständig meinen lästigen Nachbarn vor der Türe zu haben? Ich natürlich schon. Meine Nachbarinnen – eine Mutter und ihre 2 „obercoolen“ Töchter natürlich nicht. Wäre ich der gesungenen Sprache mächtig gewesen ich hätte die Texte bestimmt nachsingen können – trotz Ohrenstöpsel. Dabei soll noch gesagt sein, es spielt keine Rolle um was für eine Musik es sich handelt, wenn man den eigenen Fernseher oder den Strassenlärm draussen nicht mehr hören kann. Im Sommer war es noch einigermaßen machbar dem Lärm aus dem Weg zu gehen. Parkbänke wurden fast schon zu meinem zweiten Zuhause. Die absolute Katastrophe erwartete mich im Winter. Keine 24 Stunden-Zufluchtsstätte. Jedenfalls nicht ohne dass ich dabei früher oder später bankrott gegangen wäre. Denn die Wiener Cafépreise waren auf die Dauer auch nicht als günstig zu betrachten. Mein letzter Weg: die Verwaltung. Peinlich berührt ein „Nörgler-Schreiben“ aufzusetzen, verzweifelt genug um das auch wirklich durchzuziehen. Richtig geholfen hat es nicht, lediglich die  „22.00 Uhr-alle sind still-Regelung“ wurde etwas häufiger eingehalten. Dafür machten die gefühlten 78 Personen in der ebenfalls nur 25 m2 bemessenen Wohnung nebenan, die musikalische Unterbrechung wieder wett. Die restlichen Stunden des Tages war ich dann wieder der musikalischen Willkür meiner Nachbarn ausgesetzt. So ging mein Martyrium Tag für Tag weiter. Kurz bevor ich das Handtuch werfen wollte, geschah das Wunder! Meine Nachbarn sind ausgezogen. Einfach so. Richtig mitbekommen hatte ich es nicht, allerdings die plötzlich auftretende und vor allem anhaltende Stille bestätigten meine Hoffnungen. Vielleicht sind sie letztendlich auch ausgezogen worden. Wie auch immer, sollten sie doch andere Nachbarn nerven. Für mich hieß es von da an endlich: Willkommen Ruhe, Willkommen Zuhause! Mittlerweile bewohne ich eine neue Bleibe. Eine andere Stadt, die dünnen Wände sind wie es scheint geblieben. Was mir aber meine Nachbarn diesmal zu bieten haben, ist eigentlich schon wieder einen eigenen Blog-Eintrag wert……

Advertisements

Ein Gedanke zu “Sind wir nicht alle Nachbarn?

  1. heute erst möchtegern-pianist im haus entdeckt -.- scheint neuerdings über uns zu wohnen, dafür ist der bass nachts ab 1-6 uhr morgens nimmer da 😀
    bin gespannt auf den nächsten artikel! LG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s