Ab nach Ungarn – Teil 1

Jó napot kivánok! Einige dürften es schon mitbekommen haben, eure Bloggerin verweilt gerade in Budapest. Die geschichtsträchtige Stadt an der Donau. Aufgeteilt in das hügelige und größtenteils grüne Buda und das Pest, wo man flanieren, goustieren und shoppen kann. Irgendwo dazwischen befinde ich mich. Genauer gesagt in einem Teil von Budapest, das gerade ein neues Facelift verpasst bekommt. Was aber auch soviel heißt: zwischen unglaublichen Hausruinen werden und wurden aktuell völlig neue Baukomplexe hochgezogen. So wie mein Hotel zum Beispiel, das Wellness-Center nebenan und ein großes Shopping-Center ein paar Schritte weiter. Bei meiner Ankunft, dachte ich mir zuerst: Du meine Güte, wo bin ich hier bloß gelandet. Zum Glück ist mein Hotel wirklich erstklassig. Optisch zumindest. Die Tücken zeigten sich erst in der Früh. Dazu aber später noch mehr.

Angefangen hat ja alles mit einer spontanen Entscheidung zu Verreisen. Ohne lange zu Fackeln war mein Hotel gebucht und die Zugtickets organisiert. Um mich auf die Reise richtig einstimmen zu können, musste ich auch gar nicht lange warten. Meine erste „Ost-Block“-Einstimmung hatte ich nämlich gleich am Bahnhof meiner liebsten Wohnstadt. Entweder war es pure Einbildung oder es standen dort ausschließlich Menschen rum, die diese fürchterlich riechenden Zigaretten, die man noch aus dem ehemaligen Jugoslawien oder den bereits erwähnten ehemaligen Ost-Block-Staaten kannte, in sich aufsaugten. Kindheitstraumata kamen da wieder hoch. Nicht dass bei mir ohnehin Zigarettenrauch in der frühmorgendlichen Frischluft verteilt, erstklassige Übelkeit verursacht, aber diese – wie drücke ich mich jetzt bloß aus – billigen Zigaretten aus dem östlichen Raum stimmten nicht nur mich auf meine bevorstehende Reise ein sondern auch gleich mal meinen überempfindlichen Magen. Zum Äußersten ist es dann zum Glück nicht gekommen, der eintrudelnde Zug rettete mich nämlich. Hier folgte gleich meine nächste Überraschung. Voll bepackt mit tausend Sachen und mit Reisenden die mir mein Leben schwer machen, hinein ins Urlaubsfeeling … So in etwa hieß es da gleich für mich. Tausende von Koffer – ich meine dabei aber tatsächlich nur die Gepäcksstücke – und fast kein Sitzplatz frei. „Die wollen doch nicht alle nach Ungarn?“, war mal gleich meine erste Frage. Wie sich fast 2 Stunden später herausstellte: Nein, alle auf dem Weg nach Wien gewesen. Leider auch meine nette Zugbekanntschaft. So saß ich am Wiener Bahnhof fast vollkommen alleine in einem Großraumabteil. Aber nicht lange. Junge Russen und Russinnen mit Gucci-Taschen, Luis-Vuitton Köfferchen und weiterem Designer-Schnick Schnack machten sich plötzlich in MEINEM Großraumwagen breit und suchten sich direkt hinter mir einen Platz. Na großartig. Natürlich fragt man sich warum diese wohl gut betuchten Russen nicht per Privat-Jet oder zumindest Premium Class reisen, aber gut, sie scheinen sich auch mit einem Railjet 2. Klasse zufrieden zu geben. Ich musste mich  wiederum mit fast 3-stündigem Geschnaufe von Hinten zufrieden geben. Das Geschnaufe, welches ich hier meine, ist jenes, wenn man etwas lustig findet, dabei aber nicht lacht sondern diesen Ausdruck der Belustigung durch die Nase durchströmen lässt. Genau diese nasale Ausströmung hatte ich dann die restliche Zugfahrt in meinem Nacken und in meinem Ohr – obwohl ich mit Kopfhörer bewaffnet war. Die Technik macht es leider möglich sich Filme auch im Zug anzuschauen. Was hätte ich aber an diesem Tag gegeben, hätten sich die beiden statt einer Komödie eine Tragödie angesehen. Aber wer weiß, vielleicht hätten sie mir dann schluchzend im Nacken gelegen. Wie dem auch sei oder auch war, letztendlich erreichte ich Budapest.

Mein erster Eindruck von Budapest war gleich von Nebel und Tristesse durchzogen. Alles grau und kalt. Gut, ist ja auch später Nachmittag im Winter. Was kann man sich da schon erwarten. Zuerst noch beeindruckt von dem schönen Bahnhofsgebäude und seiner möglichen Geschichte, war ich schon bald jäh in die Realität zurückgeholt worden. Man hatte mich ja vor den privaten Taxifahrern gewarnt und genau diese lauerten an jeder Ecke und vor allem wie eine Brigade vor den Wechselstuben. „Taxi! Brauchen Taxi?“, „Taxi, Taxi!“. Ich schlängelte mich an ihnen mit einigen „Nein, danke, kein Taxi“ vorbei, bis zu einem der unzähligen Wechselschalter. Die Wechselkurse am Bahnhof sind nebenbei der absolute Wahnsinn. Das versicherte mir auch gleich mal meine zweite Zugbekanntschaft. Der Wahnsinn war auch gleich das Angebot, welches mir eine dieser „Wechslerinnen“ gemacht hatte. „Wenn ich das Doppelte von meinem Geld eintauschen würde, bekäme ich auch das Doppelte dafür.“ Fragezeichen tauchten wie kleine Luftbläschen über meinem Kopf auf. „Okaaay, meint sie das jetzt wirklich so wie sie sagte oder steckt da wirklich mehr dahinter?“ „Also wenn Sie 30,- Euro umtauschen, bekomme Sie 7000,- Forint und wenn Sie 60,- Euro umtauschen 14.000 Forint.“ Dabei sagte sie das so als ob es um ein topexklusives Angebot ginge, welches nur für kurze Zeit gelten würde. Ich war mir nicht sicher ob ich da jetzt etwas falsch verstanden hätte, es an der schlechten Akustik oder an der eindeutigen Sprachbarriere zwischen mir und der guten Frau gelegen hat. Auf alle Fälle schlug ich dieses unglaubliche Angebot ab. Ich wollte lieber in der Innenstadt mein Geld umtauschen oder einfach beim nächsten Bankomaten etwas „Forint-Shopping“ machen.

Zumindest hatte ich jetzt erst mal Geld fürs Taxi um damit zu meinem Hotel zu gelangen. Denn gleich mal die öffentlichen Verkehrsmittel in Budapest ausprobieren wollte ich auch nicht gerade. Bevor ich mich da gleich zu Beginn meiner Reise verfahre, verirre oder lange brauche, nehme ich mir ein Taxi und bin ganz schnell in meinem Hotel. Eine halbe Stunde später bereute ich diese Entscheidung zutiefst. Aber zurück zum Anfang. Wie gesagt muss man sich in Budapest vor den Abzocken der privaten Taxifahrer in Acht nehmen. Mittlerweile denke ich mir, dass zwischen den privaten und den öffentlichen Taxis überhaupt kein Unterschied besteht. Denn ich habe mir ein öffentliches genommen und habe zuletzt den Wucherpreis schlechthin bezahlen dürfen. Hinzu kommt dass mein Taxifahrer entweder nicht aus Budapest stammte oder aufgrund der Wirtschaftskrise seinen Job als Sonstwas verloren hatte und jetzt zum Taxifahren gezwungen war. Denn anders kann ich mir seine Stadt-Unkenntnis nicht erklären. Am Anfang fand ich die Fahrt und den Fahrstil noch sehr abenteuerlich und spannend. Freute mich schon auf die restlichen Tage. Allerdings stand es nicht gut um mich, meine Fahrt und vor allem um das Navigerät des Taxilenkers. Mit einem Navi ausgerüstet, welches den Straßenplan von 1987 wohl programmiert hatte, sind wir ständig von einem Einfahrt-Verboten-Schild zum Nächsten gefahren. Da ich schnell merkte, dass das Taxameter wie ein Irrer so vor sich hin zählte und mein bereits schimpfender Taxifahrer mich niemals ans Ziel bringen würde, holte ich meinen persönlichen Rettungsanker, meinen Stadtplan, heraus. Zeigte dann dem Fahrer wo wir sind und wie wir zu fahren hätten. Mittlerweile betrug das Fahrtgeld über 30,- Euro!!! und das für ein Stück, für welches ich in Wien nicht mehr als 10,- Euro hätte zahlen müssen. Zu guter Letzt standen wir schon wieder vor einer Einbahnstraße und der Taxifahrer ließ mich aussteigen und die letzten Schritte zu Fuß gehen. Den Preis habe ich zwar noch etwas nach unten handeln können, gezahlt hab ich dennoch einen mehr als saftigen Preis. Ich wollte mir mit einem Streitgespräch nicht gleich komplett meine Reise verderben. Noch dazu in einer fremden Stadt, einer fremden Sprache und so ganz alleine in einer kleinen Nebenstraße umgeben von Bauruinen mit keiner Menschenseele weit und breit. Ich versuchte mir einfach einzureden, so gleich mal die Möglichkeit gehabt zu haben, die vielen kleinen Budapester Straßen kennen zu lernen. Eine Sight-Seeing-Tour der anderen Art darin zu sehen. Leider zwecklos. Mein Entschluss lautete somit: Ab heute wird in Budapest nur noch zu Fuß gegangen oder mit der U-Bahn gefahren. So ging ich dann meinen kleinen Trolley hinter mich ziehend an den besagten Bauruinen vorbei um dann tatsächlich noch vor Anbruch der Dunkelheit in mein Hotel zu gelangen.  Zum Glück machte mein Apartment den unglücklichen Einstieg in das Budapester Stadtleben wieder wett. Aber wie gesagt nur so lange bis es nicht 6.00 Uhr Früh war. Aber das erzähle ich euch ein anderes Mal.

Hier geht es zu Teil 2 

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