Ab nach Ungarn – Teil 2

Wenn man einen Blogeintrag mit dem Titel „Teil 1“ schreibt, dann sollte man doch bitte so nett sein und Teil 2 folgen lassen. Zwar ist meine Reise nach Ungarn für viele bereits in Vergessenheit geraten, doch eine Frage ist noch offen geblieben: Was war denn jetzt bitte um 6 Uhr in der Früh? Etwas verspätet aber doch, hier die Fortsetzung! 

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Der Vogel in dieser Geschichte ist allerdings das frühmorgendliche Treiben Budapests. Der arme Wurm, das bin ich. Pünktlich um 6 Uhr morgens steht der Fleischlieferant vor der Tür meines Hotels und fängt zu lärmen an. Das wäre nicht weiter spektakulär, wenn sich das alles nicht direkt unter meinem Zimmerfenster abspielen würde. Kisten mit tonnenweise Fleisch und Wurst werden im Verladeraum des Wagens herumgerutscht sowie letztendlich rausgezogen. Die Geräuschkulisse ist einfach nervtötend und laut. Da helfen auch die schallisolierten Fenster nichts mehr. Hinzu kommt natürlich mein überaus feinfühliges Gehör und mein super leichter Schlaf. Nun gut, gefühlte Stunden später fährt er ab und ich kuschle mich wieder etwas entspannter in mein Kopfkissen. Dennoch, richtig abschalten kann ich nicht. Jetzt stelle ich mir vor, wie diese ganzen Fleischmassen für das Frühstücksbuffet aufbereitet werden. Diese bald neben Käse, Brot und Croissants liegen werden. Plötzliche schrecke ich hoch. Wenn das jetzt die erste Lieferung des Morgens war, dann trudelt demnächst bestimmt auch noch der Bäcker und Konsorten ein! Wie auf Kommando höre ich ein Auto vorfahren und schon geht es wieder los mit dem Gerutsche und Geschiebe auf der Verladefläche. Der Bäcker ist da! Nach geschätzten 3.477 Broten und Croissants, jeweils einzeln in Plastikkörben hervorgeholt, ist an Schlafen gar nicht mehr zu denken. Tja und da wären wir wieder beim ungarischen Vogel und mir dem armen Wurm.

Die nächsten Nächte war ich aber mit Ohrstöpsel Deluxe gewappnet. Das Schlafen war dann auch gleich 1A. Frühstück war übrigens ebenfalls prima. Da ich ja im Urlaub war, gönnte ich mir auch ausnahmsweise das volle Frühstücksprogramm. Von Käseweckerl über Unmengen von Croissants bis hin zu leckerem Obstsalat. An die vertilgten Kalorienmengen habe ich bei meinem Ungarn-Trip ausnahmsweise einmal nicht gedacht. Die Maschinerie musste ja etwas zu verbrennen haben. Denn mein „Ich-fahr-nicht-mehr-in-Budapest-mit-dem-Taxi“-Gebot habe ich bis zum letzten Tag strikt eingehalten gehabt. Nicht mal mit den Öffentlichen bin ich gefahren. Ich bin stattdessen alles zu Fuss abgegangen. Ich habe es mir ausgerechnet. Allein in 2 Tagen bin ich rund 35 km rumspaziert. Erster und vierter Tag gar nicht mitgerechnet. Ein Wahnsinn. Selbst als ich am dritten Tag knietechnisch angeschlagen war und es auch noch zum Regnen einsetzte. Ich war nicht zu bremsen. Sogar den Gellért-Berg bin ich wie eine junge Ausdauersportlerin „raufgeflogen“. Habe keuchende Touristen links und rechts neben mir liegen lassen. Hier hatte ich sogar ganz kurz die Erfahrung gemacht, was die meisten Menschen so an körperlicher Betätigung erfreut. Diese glückselige Erleuchtung. Aber wie gesagt nur kurz. Wieder zurück in heimatlichen Gefilden ist von Lust auf sportliche Aktivität Weit und breit nichts mehr zu merken. Wahrscheinlich hat mich einfach die Ungarnreise so dermaßen gepusht gehabt, dass ich selbst mit Krüken noch die ganze Stadt abgelaufen wäre.

Budapest ist wirklich eine klasse Stadt. An keinem einzigen Tag war mir langweilig. Es gibt hier so vieles zu sehen und zu entdecken. Die Budapester waren allesamt – oder zumindest jene, die ich angetroffen habe – immer freundlich, hilfsbereit und die Männer unglaublich charmant. Eigentlich wollte ich einen längeren Reisebericht verfassen, aber mittlerweile würde ich vorschlagen, jeder sollte Budapest auf seine Art und Weise für sich selbst entdecken. Aber einen Tipp muss ich unbedingt noch loswerden. Einfach mal in einen der großen Supermärkte in Budapest schauen. Hier gibt es die lustigsten Einkaufswagen, die ich je gesehen habe. Hier werden die Einkäufe vor allem hinter sich hergezogen. In Plastikkörben auf Rollen. Wer sich schlecht bücken kann, sollte allerdings auf die üblichen Einkaufswagen zurückgreifen. Außerdem gibt es dort tolle leckere und vor allem landestypische Produkte zu kaufen. Zum wirklich günstigen Preis.

Abschließend möchte ich sagen, Budapest ist definitiv mein kleines Paris geworden. Es hat mir nicht nur eine ganz tolle Seite von sich gezeigt sondern vor allem auch, wie amüsant es sein kann alleine zu verreisen. Man steht auf wann man will, geht frühstücken wann man will und macht den ganzen Tag nur das was man selber möchte. So hatte ich die Möglichkeit die Stadt in meinem – doch sehr rasanten – Tempo und vor allem auf meine ganz eigene Fräulein-Art zu erkunden. Budapest hat auf alle Fälle meine Lust aufs Reisen wieder geweckt. Die nächste Städte-Eroberung steht bereits auf dem Plan. Diesmal dann mit etwas ausführlicherem Bericht. Bis dahin … Viszontlátásra!

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Ein Gedanke zu “Ab nach Ungarn – Teil 2

  1. Pingback: Ab nach Ungarn – Teil I | Santown

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