Auf den Zug warten

Ein sonniger Nachmittag. Ich stehe gerade am Bahnsteig und warte auf den Zug. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und auf meine Boots. Ich lese „Just Kids“ von Patti Smith und mein offener Mantel weht im Wind. Ich liebe diese scheinbar unspektakulären Momente in meinem Leben. Bin dabei mit mir und der Welt völlig im Reinen. Genieße einfach nur. Denke weder an Gestern, noch an Morgen. Lebe einfach in diesem Moment.

Wie ich so vertieft in meinem Buch lese, kommt ein Typ auf mich zu. Mitte Zwanzig würde ich schätzen. „Bist du noch zu haben?“, fragt er mich. Ich sehe hoch. Seine Augen schauen mich zwar an, sein Blick ist dennoch leer. „Ich suche eine Frau zum Heiraten. Du könntest eine Frau zum Heiraten sein.“ Ich muss lächeln und blicke zu der Person neben ihm. Ein Mädchen, in etwa gleich alt wie er. Das sei nur seine Schwester, erklärt er mir gleich im geschäftsmäßigem Ton. Ich müsse mir wegen ihr keine Sorgen machen. Wir kommen letztendlich nicht ins Geschäft und die beiden gehen weiter.

Ich liebe diese kleinen Geschichten, die einem so passieren können. Völlig unerwartet. Wenn man einen kurzen Blick in das Leben anderer Menschen werfen kann. Für einen kleinen Moment sich die Wege kreuzen und Teil davon wird. Genau so schnell wie sie gekommen sind, gehen sie auch wieder vorbei. Dennoch hinterlassen sie auf eine bestimmte Art und Weise Spuren. Gleich fährt mein Zug ein. Ich schließe meine Augen und genieße noch einmal kurz die Sonne.

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