Gewohnheiten sortieren

Alte Gewohnheiten durchbrechen! Jawohl, das soll mal zur Abwechslung mein neuestes Hobby werden. So, das wäre mal erledigt – zumindest gedanklich. Der Vorsatz ist vorhanden, jetzt kommt aber erst der harte Brocken. Was sind eigentlich meine alten Gewohnheiten und sind nicht doch welche dabei, die eigentlich gar nicht so schlecht sind. Wie Aschenputtel knie ich am Boden und sortiere so vor mich hin. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.

Allerdings ist das gar nicht so einfach Gewohnheiten als solche überhaupt einmal zu identifizieren oder deklarieren. Gut, mit Fremdwörtern jonglieren möchte ich definitiv nicht als Gewohnheit beibehalten. Auch wenn diese im vermeintlichen Sprachgebrauch gut integriert sind, kann man doch auch einfacher schreiben. Der englische Dichter und Literaturkritiker Samuel Johnson sagte bereits über Gewohnheiten: „Die Fesseln der Gewohnheit sind meist so fein, daß man sie gar nicht spürt. Doch wenn man sie dann spürt, sind sie schon so stark, daß sie sich nicht mehr zerreißen lassen.“ Mich zieht es eher zu einer verständlichen Sprache hin. Also lasse ich mich von dieser Art von Gewohnheit sicher nicht fesseln und versuche diese so gut es geht abzulegen. Eigentlich auch eine nette Herausforderung. Mal versuchen ohne Fremdwörter durch den Alltag zu kommen. Aber ich verzettel mich gerade. Ja genau, eine andere Gewohnheit von mir.

Welche Gewohnheiten fallen mir noch ein. Da hätten wir mal meinen morgendlichen Blick – oder vielmehr Klick – auf Facebook. Eigentlich habe ich ja nicht einmal wirklich Lust darauf, allerdings handelt es sich bei mir und Facebook um eine Art von verselbstständigten Zwang. So wie der morgendliche Gang zur Kaffeemaschine und ins Bad ebenfalls eher ferngesteuert geschehen, so landet auch mein Finger irgendwie automatisch auf der Einschalttaste meines Laptops und nach der Reihe öffnen sich nicht nur meine Arbeitsprogramme, sondern auch die verschiedensten Internet-Seiten, wie FB zum Beispiel. Also gut, immerhin arbeite ich auch vom PC aus, da ist das schon wieder normal. Sollte ich also diese Gewohnheit durchbrechen? Ich glaube, da gibt es bestimmt nervigere Gewohnheiten mit denen ich mal beginnen könnte. Allerdings hat sich meine FB-Verweildauer ohnehin bereits drastisch minimiert. Ein Wunder! Es geht also doch auch ohne Facebook. Irgendwie oder zumindest kürzer.

Eine weitere Gewohnheit scheint langsam meine mangelnde Arbeitsmotivation zu werden. Wie ein Teenager, dem auch alles andere wichtiger erscheint als seine Pflichten, wandel ich durch den Tag. Gut, es ist noch nicht so weit, dass ich überhaupt nichts mehr mache. Eigentlich mache ich sogar eine ganze Menge. Aber viel lieber würde ich nur noch schreiben, musizieren, malen oder verreisen. Vielleicht sollte ich mir jemanden suchen, der mich in dieser Art zu Leben unterstützen möchte? Wer dies gerne tun würde – bei Interesse einfach melden …  oder vielleicht doch nicht, denn wenn es etwas gibt, das ich gar nicht leiden kann, dann ist es abhängig von jemanden zu sein. Auch eine Art Gewohnheit von mir.

Jetzt wo ich ins Aufzählen komme entdecke ich, dass ich noch eine Vielzahl an weiteren Gewohnheiten zu bieten hätten. Doch würde das hier zu weit gehen und wahrscheinlich auch nicht all zu viele wirklich interessieren. Deswegen verschone ich mein Leserpublikum. Die Botschaft ist auch so bestimmt rüber gekommen. Welche Botschaft? werden sich einige Fragen. Diese werde ich einfach mal mit Alfred Polgers Worten zitieren (obwohl ich selber keine Ahnung habe, warum ich heute ständig zitiere oder schöner gesagt, die Worte eines anderen wiedergebe): „Gewohnheiten sind gleich Fingerabdrücke des Charakters“. Eben, ich bin nun mal die die ich bin, wahrscheinlich gerade auch wegen meiner Gewohnheiten und so lange mich oder andere diese nicht all zu sehr nerven, dürfen sie auch ruhig weiter bestehen. Ich frage mich ob das jetzt auch wieder so eine Art Gewohnheit ist, Dinge enthusiastisch anzugehen und dann doch nicht zu Ende zu bringen? Ich glaube da widme ich mich dann doch noch gleich einer anderen Gewohnheit von mir: über Dinge ordentlich nachzudenken …

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