Der Stier in mir

Es gibt Tage da läuft alles einfach nur prima. Ich bin da so etwas von entspannt und relaxed. Unglaublich. Nicht mal eine Großpackung Valium könnte da bessere Arbeit leisten. Ich bin einfach eins mit der Welt und das ohne jegliche Aufputschmittel bzw. Tranquilizer. Das alles bekomme ich frei Haus von meinem Körper und zum Null-Tarif versteht sich. Aber wie es sich für ein anständiges Dasein gehört hat alles auch einmal ein Ende. Denn immer wenn ich diese Tage so voller Freude genieße, kommt von irgendwo ein Stolperstein daher. Einer der – ich könnt schwören – Tage zuvor noch nicht hier gelegen hatte! Aber gut, was wäre das auch für ein Leben, wenn man nur so durch die Gegend schweben würde. Wahrscheinlich sehr langweilig auf Dauer. Na jedenfalls geben mein Leben, mein Schicksal oder wer auch immer das geheime Startzeichen: „Alles klar zur Landung“. Ich bekomme davon natürlich noch nichts mit – wie denn auch, ich bin ja noch mit Schweben und Dauergrinsen beschäftigt. Plötzlich macht es „Wusch“ und schon bin ich gelandet. Danke aber auch! Tja und dann geht das Geschimpfe meinerseits auch schon los. Während ich gleich wieder aufstehe und mir noch den Dreck von den Knien abklopfe baut sich in mir schon eine ganze Tirade an Schimpfwörtern auf. „Alles klar zum Abschuss“ heißt es da meinerseits und schon wird gefeuert, genörgelt und herum gezickt. Ja, unglaublich aber war, das Fräulein Sonnenschein kann auch ganz schön gewittern!

Was ich aber am allerwenigsten ab kann, das sind wohl „gut gemeinte Ratschläge“ oder auch in meinem persönlichen Wörterbuch unter „Bevormundungen“ zu finden. Das sind dann schon keine Stolpersteine mehr sondern wahre Felsen,  die mir nicht nur kurzfristig den Weg und die Sicht versperren. In erster Linie machen Sie mich einfach wahnsinnig. Da lande ich dann von ganz alleine und vor allem im Rekordtempo. „Mach doch mal so“, „Lass doch die Finger davon“, „Das kann nicht gut gehen“, „Ich würde ja so und so machen“, „Mach das auf keinen Fall so“ etc. Es sei hier aber kurz angemerkt, dass ich sehr wohl kritikfähig bin. Aber sowas von! Vor allem konstruktiver Kritik gegenüber bin ich besonders aufgeschlossen. Ein Tag der offenen Tür sozusagen. Jedoch häufen sich „Kritikpunkte“ an mir und zwar vor allem im Speziellen von immer ein und der selben Person, dann kann man sich schon mal auf eine ganze Ladung Stier einstellen.

Wie in der Arena stehe ich dann noch ziemlich ruhig da und lasse mein Gegenüber eine ganze Weile mit seinem Tuch vor mir wedeln. Während er oder sie mit Selbstsicherheit so vor mir rumtheatert,  können aufmerksame Beobachter erkennen, wie mit der Zeit meine Nasenlöcher sich etwas aufzuplustern beginnen. Das sollte dann schon eigentlich als erste Warnstufe angesehen werden bzw. der perfekte Zeitpunkt um seine blöden Tücher einzupacken und sich vom Acker zu machen. Denn fange ich dann auch noch mit meinen Füßen zu schaben an ist es quasi schon 5 nach 12 und definitiv zu spät. Wer sich da nicht noch blitzschnell in Deckung gebracht hat ist hilflos verloren. Beschwichtigungen und Ablenkungsmanöver haben dann überhaupt keinen Sinn mehr. Das einzige was hier noch Sinn ergibt ist die Hoffnung darauf einen guten Arzt in petto zu haben.

Manchmal kann man aber auch Glück haben. Mich piesacken, an mir rumnölen, mich quasi in ein großes Laken voller Kritik einhüllen und dennoch bin ich die Ruhe weg. Wie mir das gelingt? Keine Ahnung. Wahrscheinlich ist mein Körper manchmal einfach ein großartiges Labor, welches mich mit den tollsten Botenstoffen doped. Wie auch immer, ich an der Stelle anderer würde mich jedoch nicht darauf verlassen. Denn wie gesagt, der Stier in mir schläft nie …

Conclusio und weil ich es auch gleich hier sagen möchte: Ärgere keine Stiere! Vor allem nicht in irgendwelchen blöden Arenen – Tradition hin oder her! Am Beeindruckendsten und vor allem schönsten sind sie draußen im Grünen – for sure!

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