Aufgeben? Niemals!

Wenn mir etwas gar nicht liegt, dann ist das wohl Schwäche. Klar habe auch ich immer wieder Momente, wo mir ein treibender Baumstamm im tosenden Gewässer mehr als willkommen ist. Dennoch, wenn es um die Wahl des Amtes eines Weicheis oder Jammerlappens geht, hebe ich bestimmt nicht meine Hand freiwillig. Einfach so bei einer Sache aufgeben? Niemals!

Schon als Kind war ich diesbezüglich sehr – wie drücke ich das jetzt am besten aus – willensstark. Wenn ich mir mit meinem Bruder eine kleine „Kampf-Runde“ gönnte, kam es hin und wieder doch dazu, dass er mich zu Boden gerungen (klar er war und ist ja auch der ältere von uns beiden), mir den Arm hinter dem Rücken verdreht und letztendlich die Frage aller Fragen gestellt hatte: „Gibst du endlich auf?!“ Jeder vernünftige 3-Käse-Hoch hätte da seine Niederlage akzeptiert. Laut: „Ja, ich gebe auf!“ geschrien. Nicht ich! Keine Folter der Welt hätte mich zur Kapitulation bringen können. So gesehen wäre ich prima für Spionage-Tätigkeiten geeignet gewesen. Ein Schloss mit sieben Siegeln und Durchhaltevermögen Ende nie. Mich in die Knie zwingen? No Way! Geheime Pläne der Teddybären-Mafia verraten? Nie im Leben! Na gut, ich war wohl als Kind nicht nur hart im Nehmen sondern auch psychologisch mehr als versiert und wusste wahrscheinlich ganz genau, dass mir mein Bruder niemals den Arm brechen würde. Aber das ändert jetzt nichts an der Tatsache, dass ich schon von Klein auf mehr als ungern klein beigegeben habe.

Mehr als 25 Jahre später haben sich die  Situationen mit denen ich zu „kämpfen“ habe etwas verändert – ich prügel mich zum Glück nicht mehr mit Jungs rum, allerdings ist meine Hartnäckigkeit mir und meinen armen Mitmenschen erhalten geblieben. Aber nicht nur meine manchmal (aber wirklich nur manchmal – kaum der Rede wert -) deplazierte Verbissenheit hat mich viele Situationen meistern lassen. Es ist wohl auch zum Teil meiner stabilen Haltung zu verdanken. Vor allem wenn es Hart auf Hart kommt.

Gerade in solchen Fällen, wo die meisten Hysterie als ihre ganz persönliche Strategie „erster Wahl“ einsetzen, mutiere ich hingegen plötzlich zu Superwoman. Werde dabei extrem ruhig, verliere nicht meinen hübschen Kopf sondern zaubere letztendlich dem Anlass entsprechend einfach die passende Lösungen aus dem Hut. „Situation bravourös gemeistert“ heißt es dann. Denn was mir noch weniger steht als „Schwäche“ ist wohl die Eigenschaft des „Nerven-Weghauens“. Was jetzt wiederum nicht heißen muss, dass ich immer nur super cool und vernünftig handle. Denn ein weiteres Spezifikum meinerseits ist aus Nichts heraus einfach mal laut aufzudrehen. Nur kurz und bloß so. Wahrscheinlich um einfach einmal mir und den anderen zu demonstrieren, dass ich es im Prinzip sehr wohl könnte. Nur so zur Info quasi.

Wie auch immer. Ich mobilisiere gerne meine starken Seiten an und in mir. Vor allem wenn das Thema „Aufgeben – ja oder nein?“ im Raum steht. Zum Glück habe ich mittlerweile auch gelernt, hoffnungslose Situationen als genau diese zu erkennen. Dann doch über meinen Schatten zu springen und einfach mal ein Häkchen darunter zu setzen. Dennoch, ist mal mein Kampfgeist geweckt, wird es schwer. Sehr schwer sogar – sowohl für mich, als auch für die anderen. Bis es allerdings wieder soweit ist, sammle ich einfach noch ein wenig meine Kräfte …

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