Nachts in New York

Einsam und verlassen lag die Straße vor ihr. Eine scheinbar friedliche Ruhe hatte die Stadt New York erfasst. Es war 2 Uhr morgens und es hatte noch immer nicht aufgehört zu schneien. Unter einer dicken weiße Decke parkten die Autos. Auch der Gehsteig und die mittlerweile fast leeren Straßen waren schneeweiß bedeckt. Ab und zu fuhr ein Taxi an ihr vorbei, ansonsten war es still um sie herum. In ihren dicken Mantel gehüllt, fühlte sie sich trotz der Kälte angenehm warm. Ihr gefiel es die ersten Spuren im Schnee zu hinterlassen, das knackende Geräusch unter ihren Stiefeln. 

Abstand – kam ihr in den Sinn. Jawohl, ich brauche Abstand. Ich muss für eine Zeit lang alles hinter mir lassen. Einen neuen Anfang starten. So schwer mir das auch fällt. Ich muss diesen Schritt machen. Will ich eine Zukunft haben muss ich mit meiner Vergangenheit abschließen. Doch was bleibt mir dann, dachte sie und ging gedankenverloren weiter.

Zu Hause angekommen, klopfte sie sich den Schnee von ihren Stiefeln und dem Mantel. Sie machte sich einen Tee und setzte sich mit der heißen Tasse auf die Couch. Sie saß einfach da und schaute auf ihre Tasse, die sie mit beiden Händen fest umschlossen hielt. Als ob diese Tasse das einzige geblieben wäre, an dem sie sich noch festhalten könnte. Nebenbei lief Musik. Leise. Als sie ausgetrunken hatte, machte sie das Licht aus. Legte sich auf die Couch, deckte sich zu und versuchte einzuschlafen. „Endlich mal wieder schlafen“, wünschte sie sich, „Vielleicht schaffe ich es ja heute“. Die Musik ließ sie im Hintergrund weiter laufen. Ihre Augen wurden immer schwerer, aber der Schlaf wollte sich nicht einstellen. Wieder nicht. So stand sie nach einiger Zeit auf und holte sich etwas zu schreiben. In ihren Gedanken tauchte eine leere Straße auf und es hatte vor kurzem zu Schneien angefangen. Einsam und verlassen lag die Straße vor ihr. Eine friedliche Ruhe hatte die Stadt New York erfasst …

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6 Gedanken zu “Nachts in New York

  1. Sehr schön geschrieben!
    Besonders der Satz „Als ob diese Tasse das einzige gelbieben wäre, an dem sie sich noch festhalten könnte.“

    Zu dem Thema „Schlaflosigkeit“ hab ich auch zwei Gedichte verfasst: „Gedankenschlaf“ http://gedankenflimmer.wordpress.com/2012/08/21/gedankenschlaf/ und „Nachgewächs“: http://gedankenflimmer.wordpress.com/2013/02/03/nachtgewachs/
    Vielleicht magst du mal reinlesen.

    LG und wirklich schön geschrieben!
    ~Gedankenflimmer~

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