Ganz unten und ganz oben

Wenn die Schwere einen ertränkt und man immer weiter in das tiefe Nass hinabgleitet. Mit jedem Meter abwärts wird es dunkler, aber auch stiller. Eigentlich müsste man sich nur der schweren Steine in seinen Taschen entledigen, sie herausnehmen und aus den Händen gleiten lassen. Während sie ihren Weg nach unten fortsetzten, könnte man selbst mit festen Zügen nach oben schwimmen. Sich der Wasseroberfläche und dem Licht wieder nähern. Stattdessen breitet sich eine innere Gelähmtheit aus und man sinkt immer weiter. Jeder Meter abwärts bedeutet, sich ein Stück weiter weg von der Oberfläche zu befinden. Die Luft wird immer weniger und die Realität scheint sich langsam mit der Fantasie zu vermischen. Wie im Schlaf tauchen die schönsten Gegenden vor einem auf. Man spürt wieder festen Boden unter seinen Füßen und genießt den ersten Atemzug, spürt den Frieden in sich und eine tiefe Geborgenheit zurückkehren. Alles scheint auf einmal möglich. Man greift in seine Taschen und statt schwerer Steine hält man plötzlich große Luftblasen in den Händen. Mit ihnen beginnt man wieder nach oben zu treiben und als der Kopf endlich die ersehnte Wasseroberfläche durchdringt, fühlt es sich an als sei man neu geboren. Man ist dankbar für die Tiefe und für das Sinken, für die Erfahrungen, die man dort machte und für die Erkenntnis, dass man in seinen Taschen immer genau jenen Inhalt mit sich trägt, denn man sich vor Augen hält. Aus diesem Grund schließe ich meine Augen erneut und greife in meine Taschen. Dabei ziehe ich große Luftballons hervor und beginne zu schweben. Immer weiter und immer höher hinaus bringen sie mich. In der Ferne kann ich einen Traum erkennen, jetzt bleibt nur zu hoffen, nicht zu hoch zu schweben. Die starke Sonne könnte meine Ballons zu platzen bringen und ich würde wieder fallen. Unter mir kann ich das weite Meer sehen, aber ich entscheide mich dazu, meinen Blick geradeaus zu richten, auf mein immer näher kommendes Ziel. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich genieße es in der Luft zu schweben. Mir gefällt die Perspektive. Mir gefällt dieses Abenteuer – wohin auch immer es mich letztendlich trägt …

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