Für immer

Wenn der innere Schrei irgendwo inmitten der körpereigenen Materie stecken bleibt. Wenn das bebende Gefühl sich in immer gewaltigeren Schüben von den Zehenspitzen bis zur Kopfhaut ausbreitet. Wenn der unsichtbare Vulkan sich nicht mehr aufhalten lässt, ausbricht und sein Lava letztendlich alles mit sich reißt und unter sich vergräbt. Wenn das alles doch endlich einmal ein Ende hätte, dachte sie sich an diesem Morgen. Gestern war noch alles gut, gestern war er ja auch noch da und heute? Heute ist er fort. Für immer? Bestimmt, denkt sie sich. Sie steht barfuß und nur mit einem T-Shirt bekleidet auf ihrem Balkon. In der einen Hand hält sie ihre Zigarette, in der anderen den mittlerweile kalt gewordenen Kaffee. Während sie ihren Gedanken nachhängt, machen sich die ersten Autos auf den Weg in den morgendlichen Verkehr. Die Sonne ist noch nicht ganz aufgegangen und von irgendwo her hört man wie Jalousien mit einem lauten Geratter hochgezogen werden. Der Morgen beginnt und der Alltag nimmt seinen Lauf – nicht aber ihrer, entscheidet sie sich nach einer geraumen Weile. Sie drückt ihre Zigarette aus und geht wieder hinein. Sie beschließt, den Morgen noch einmal zu beginnen. Im Rückwärtsschritt geht sie wieder ins Schlafzimmer zurück, legt sich ins Bett und zieht langsam die Decke über ihren Kopf. Sie schließt die Augen, bleibt eine Weile so liegen und dreht sich dann auf die andere Seite. Als sie ihre Augen wieder öffnet, sieht er sie mit seinen dunklen Augen an und lächelt. Sie schmiegt sich an ihn und ist froh, dass er noch da ist und bleibt. Für immer? Bestimmt, denkt sie sich.

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