Wenn nichts mehr übrig bleibt

Es ist nichts mehr von dir übrig geblieben … All das Großartige, was ich früher in und an dir erkennen konnte, ist mittlerweile im Nebel deiner Zerrissenheit verschwunden. Wie ein Fremder stehst du jetzt vor mir und siehst einfach durch mich hindurch. Deine Augen haben den schönen Glanz von damals verloren und dein Blick ist nur noch ein lebloser Ausdruck einstudierter Distanz. Du hast dich entschieden zu den Schatten deiner Vergangenheit zurück zu kehren. Es ist ganz allein dein Weg und so bleibt mir nichts anderes übrig, als dich im Stillen an mir vorüber ziehen zu lassen. Ich sehe dir noch eine Weile nach und mit jedem Schritt, mit dem du dich von mir weiter wegbewegst, spüre ich, wie die Welt um mich herum wieder zu neuem Leben erwacht.

Sie liest sich das so eben Geschriebene noch einmal durch und legt dann ihr Notizbuch neben sich auf die Bank. Es ist genau jene Bank, auf der sie sich zwei Jahre zuvor kennen gelernt hatten. Was für Augen und was für ein Lächeln, dachte sie sich damals. Er hatte sie schnell in ein Gespräch verwickelt gehabt und kurze Zeit darauf auch in seine persönlichen und tiefen Abgründe. Natürlich ist ihr das alles erst sehr spät bewusst geworden, da hatte sie aber ihr Herz schon längst an ihn verloren. Mit einem Blick auf die Uhr, steht sie schließlich auf. Sie reißt die Seite mit den Worten an ihn aus dem Buch heraus, faltet sie und steckt sie zwischen die Holzplanken der Bank. Als sie geht, dreht sie sich noch einmal um, lächelt und lässt dann die Bank, die Notiz und ihn für immer hinter sich.

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