Der Sturm

Warten bis der Sturm vorübegezogen ist. Dieses innere Unwetter, welches sich ganz langsam zusammenbraut, immer stärker wird und letztendlich zu einem unberechenbaren Orkan werden kann. Abwarten. Sie weiß ganz genau, dass sie geduldig warten muss. Dass ihr nichts anderes übrig bleibt, als wieder einmal abzuwarten bis dieser Gefühlssturm vorbei ist. Nicht reagieren. Nur warten …

Warum sie bloß ausgerechnet jetzt wieder so einen Drang hat sich bei ihm zu melden? Nur weil sie einmal nicht auf seinen Anruf reagiert hat. Na und, sagt ein Teil in ihr, was soll schon dabei sein, einmal nicht erreichbar zu sein. Wie wenn alles von diesem einen Anruf abhängen würde. Es ist die Angst vor dem Verlust, die sich wieder bei ihr meldet. Sie weiß es – aber lieber ihn verlieren, als jemals wieder sich, sagt sie entschlossen zu sich.

Ja gut, du hast gestern angerufen und ich habe nicht abgehoben, aber ich konnte einfach nicht. Was hätte ich sagen sollen und vor allen Dingen: Was hättest du gesagt? Ich war schlichtweg überfordert mit dieser „Was könnte sein“-Situation und so ließ ich es einfach läuten. Es schien mir als ob dieses Läuten niemals aufhören, dein Name niemals wieder von meinem Display verschwinden würde. Es läutete und läutete und dann plötzlich war es still. Diese unglaubliche Stille. Ich konnte mich noch eine ganze Zeit lang nicht bewegen. Ich blieb noch einige Minuten still sitzen, als ob jegliche Bewegung mich verraten könnte. Schön, du hast angerufen. Aber das war es auch schon wieder. Nein, mehr war es nicht. Es war nur ein Anruf. Punkt. Was ist denn schon ein Anruf? Die Betonung liegt auf „ein“. Vor allen Dingen: Dein Anruf war gestern. Was ist mit Heute? Heute hast du dich nicht mehr gemeldet. Weder ein Anruf, noch eine andere Art von Nachricht von dir. Warum sollte ich mich da bei dir melden?

Warum will mir mein Inneres einzureden versuchen, mich bei dir zu melden? Aber zum Glück ist es nur ein kurzer heftiger Sturm, der mich zwingen will in Panik zu geraten und Unüberlegtes zu tun. Etwas was ich bisher immer noch bereut habe. Es ist nur ein Sturm. Ich weiß. Es ist nur ein kurzes Unwetter. Sonst nichts. Es zieht schon bald wieder vorbei. Ich muss nur etwas warten. Wenn dir etwas an mir, an unserer Freundschaft, an unserer – was auch immer – liegt, wirst du dich wieder melden. Ja, das wirst du. Würdest du. Machst du? Kannst du. Musst du aber nicht. Es liegt an dir. Nicht an mir. Ich kann mittlerweile ganz gut ohne. Ohne dich. Ohne allem. Wenn ich in mir ruhe brauche ich nichts, bin mit mir völlig zufrieden. Ich stelle mich also gegen den Wind und atme einfach die frische Luft ein. Ich lasse mich von ihr umwehen, aber niemals mehr verwehen. Ich konzentriere mich in diesem Moment nur auf mich und mein Gefühl und ich kann es spüren, wie der Wind immer schwächer wird. Es ist schon fast vorbei. Das Unwetter hat sich verzogen. Nein, ich sehe keinen Grund mehr mich bei dir zu melden.

Mit diesen Gedanken schlief sie ein und schlief so gut wie schon lange nicht mehr …

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