Silvesterstory

„Silvester, im Grunde genommen ist es auch bloß ein Tag wie jeder anderer“, dachte sie sich und machte sich weiter auf den Weg. Die ersten Böller waren bereits zu hören und mit jedem einzelnen von ihnen wünschte sie sich dieser Tag wäre vorüber. Den Sinn von diesen stinkenden Krachmachern konnte sie noch nie erkennen. Feuerwerk ja, da gibt es wenigstens etwas zu sehen, aber bei diesen nervtötenden Krachern? Es war bereits nach neun Uhr Abends und während ihr gut gelaunte Menschen entgegenkamen, zog sie sich ihren Mantelkragen noch ein Stück weit höher und beschleunigte ihren Gang um endlich nach Hause zu kommen. Es hatte Tags über noch einmal geschneit und die Straßen und Gehwege waren rutschig, so dass sie nicht ihr normales Tempo gehen konnte. Sie überholte dennoch ein bereits betrunkenes Pärchen, welches lauthals „Happy New Year“ von Abba singend Richtung Stadt zog. „Frohes Neues“ schrien sie ihr nach, sie murmelte ein kurzes „Danke, ebenfalls“ zurück und begann bereits nach ihrem Schlüssel in der Tasche zu suchen. Zu Hause angekommen, hielt sie kurz inne um zu hören ob sie in Ruhe arbeiten könnte oder ob ihr Nachbar in seinen eigenen vier Wänden das neue Jahr erwartete. Es war nichts zu hören. Sie strahlte bei dem Gedanken nicht von oben gestört zu werden und machte sich gleich auf den Weg in die Küche, um den bereits am Vormittag eingekühlten Sekt aus dem Kühlschrank zu nehmen. Bevor sie die Flasche öffnete, schaltete sie noch ihren Laptop ein. Während dieser hochfuhr entkorkte sie den Sekt und wünschte sich vor dem ersten Schluck selber alles Gute: „Auf einen inspirierenden Abend mit einer großartigen Geschichte!“. Sie begann an ihrem nächsten Buch zu schreiben und tippte einen Satz nach dem anderen in die Tastatur und versank mit jeder Zeile ein Stück weit mehr in ihre Erzählung. Draußen auf den Straßen wurde es immer lauter, doch von all dem bekam sie nichts mit. Eine Seite füllte die nächste und nichts konnte sie aus der Ruhe bringen. Um kurz vor Mitternacht blickte sie auf die Uhr und holte sich noch ein weiteres Glas Sekt. Dann war es soweit, die Feuerwerkskörper erhellten die Nacht und letztendlich auch ihr Gemüt. „Frohes Neues“, prostete sie sich selber zu und war glücklich darüber, wieder ein weiteres Kapitel fertig gebracht zu haben. Sie freute sich über das letzte Jahr, aber noch viel mehr über das kommende. „Es wird ein Gutes, das weiß ich“, sprach sie leise zu sich und griff zum Handy. Es war er, der sie gerade anrief. Sie musste lächeln. „Ja, ich bin gleich da“, sagte sie, trank ihren Sekt aus und machte sich auf den Weg in ein neues Jahr …

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