Spring! Ball

Auf und ab und auf und ab … Wie ein kleiner Gummiball springt ihr Gemüt mal nach oben und fällt dann in Begleitung der Schwerkraft wieder gerade nach unten. Geht wieder noch oben um dann lediglich wieder und auch noch so schnell wie möglich, auf dem Boden der Tatsachen zu landen. Mit einem lauten Plopp prallt der Ball jedesmal auf und scheint sie immer wieder aufs Neue zu erschüttern.

Auch heute, während sie sich eine Pause auf der Parkbank gönnt, schaut sie diesem Spiel wie eine scheinbar Unbeteiligte zu. „Spring doch so hoch und wie lange du möchtest.“ denkt sie sich. „Ich versuche mich auf etwas anderes zu konzentrieren.“ Nicht gerade die leichteste Übung, da sich ständig Bilder in ihren Kopf drängen, die das Springen des Gummiballes auch noch zu verstärken scheinen.

Sie lehnt sich mit dem Rücken an die Parkbank und schließt die Augen. Das monotone Springen des Balles nimmt sie immer weniger wahr bzw. hilft es ihr in diesem Moment sogar sich zu entspannen und abzuschalten. Plopp, plopp, plopp. Mit jedem Aufschlag wird ihr Herz ruhiger.

In Gedanken befindet sie sich plötzlich in einer ruhigen Landschaft wieder. Nur der Wind, der durch die Bäume streicht ist zu hören. Niemand ist hier, außer ihr und ihrer Tochter. Beide sehen sich mit einem verschworenen Lächeln an und beginnen gemeinsam spielerisch die wilde Landschaft zu entdecken. Sie laufen verschnörkelte Wege entlang, erblicken Flüsse und Seen und spielen hinter großen Bäumen Verstecken. Plötzlich hören sie wie von Weitem ein Geräusch. Plopp, plopp, plopp. Es wird immer lauter und lauter. Sie nimmt ihre Tochter und macht sich auf den Weg um den Ursprung dieses Ploppens heraus zu finden.

Sie öffnet ihre Augen und sieht ihn plötzlich vor sich stehen. Fast schon wie ein Fremder kommt er ihr vor, so sehr haben sie beide mittlerweile verändert. Sie sehen sich beide an und da bemerkt sie den Gummiball in seiner Hand, den er immer wieder auf den Boden wirft und wieder auffängt. Auf und ab und auf und ab und mit jedem Aufprall scheint sich etwas in ihr zu bewegen, sie stärker zu machen und so steht sie auf und stellt sich vor ihn hin. Mit einem gezielten Griff nimmt sie ihm den Ball aus der Hand und geht.

Ein letztes Mal betrachtet sie den Ball ihn ihrer Hand und wirft ihn dann letztendlich weit von sich. Sie kann nur noch ein leises Platschen hören und zusehen wie der See ein paar kleine Wellen schlägt. Ihre Tochter sieht sie dabei an und sagt zu ihr: „Mama, ich könnte ja mal in den See springen und den Ball wieder herausholen, wenn du möchtest?“ Sie lächelt die Kleine an: „Vielleicht ein anderes Mal.“ Sie gibt ihr einen Kuss und sie machen sich beide wieder auf den Weg. Ihren gemeinsamen Weg.

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