Ich sehe was, was du nicht siehst

Ich sehe was, was du nicht siehst … und das ist meine ganz eigene Welt, tief in mir drinnen. Von mir in Licht und Schatten getaucht und mit meinen erlebten Emotionen versehen.

Ich sehe was, was du nicht siehst … und das ist meine ganz eigene Interpretation all jener Dinge, die um mich herum geschehen. Mein Blickwinkel  und meine Zukunft sind von meiner Vergangenheit geprägt. Davon abzulassen fällt mir schwer, fällt mir wahrscheinlich auch meist gar nicht auf.

Ich sehe was, was du nicht siehst … und das bist du, mit meinen Gedanken, Gefühlen und Intentionen belegt. Dass du vielleicht ein anderer bist, das sehe ich nicht. Dass ich es bin, die sich in dir spiegelt, das glaube ich nicht.

Du siehst etwas, was ich nicht sehe … und das ist eine ganz andere Wahrheit sowie eine Menge an Möglichkeiten, die in jeder Situation gegeben sind.

Die Welt hat wahrscheinlich so viele Wahrheiten, wie sie Menschen hat. Jeder hat seine eigene Sicht der Dinge, eine eigene Art von Wahrheit, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Alles was um uns herum passiert, wird von uns mit einem Label versehen. Einem ganz persönlichem und einzigartigem versteht sich. Frühere Erlebnisse und Erfahrungen, aber auch der momentane Gefühlszustand spielen dabei eine wichtige Rolle. Dadurch werden aus ein und der selben Situation für unterschiedliche Menschen völlig unterschiedliche Szenarien. Der eine wird Liebe und Geborgenheit entdecken, vielleicht einen Vorteil darin sehen. Der andere wird Neid und Missgunst und einen Nachteil für sich entdecken. Und wieder ein anderer wird ebenfalls seine ganz eigene Sicht der Dinge entwickeln.

Die „reale“ Wahrheit ist dabei immer das, was gerade geschieht bzw. ist – nicht mehr und auch nicht weniger. Der Rest sind unsere eigenen Geschichten und Gedanken, die wir dann wie einen Mantel darüber legen. Und genau diesen Mantel breiten wir auch gerne über andere Menschen aus. Ich sehe den anderen nicht mehr aus einer natürlichen Distanz, sondern belege ihn mit all meinen eigenen Erfahrungen, Geschichten und Ansichten. Es stellt sich dabei die Frage: Wieviel „wirkliche“ Person steckt noch in dem anderen, nach dem ich ihn durch meine eigenen Augen gesehen habe? Wer von uns beiden lebt denn jetzt die eine wirkliche Wahrheit? Wahrscheinlich niemand. Zumindest  nicht solange  bis wir eine Situation  und den Menschen so annehmen wie sie oder er nun einmal ist. Ohne jegliches: sollte und müsste aber so und so sein, ohne Spekulationen und Interpretationen. Was wir über Situationen und Menschen denken, sagt wahrscheinlich mehr über uns, als über diese selbst aus. Wie ein Spiegel präsentiert uns die Welt hier unsere eigene versteckte Wahrheit. Wir müssten nur hinsehen. Und trauen wir uns diesen einen Blick zu, so können sich uns ganz neue Möglichkeiten und Wege der Erkenntnis eröffnen. Die Frage nach der einen Wahrheit würde sich dann gar nicht mehr stellen. Man wäre einfach und das wäre Wahrheit genug.

 

 

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