Platz (ge)schaffen

Die Zeit vergeht und sie erkennt immer mehr, wie weit sie doch schon gekommen ist. Mit all dem Anders-Denken und dem Gefühle-Zulassen. Am Anfang war es eigenartig, ja, fast schon völlig fremd. Naja, immerhin war auch sie sich bislang ziemlich fremd gewesen. Ein Etwas in einer Hülle Namens Körper eingepackt. Trotz Raum war kein Platz zum Leben da gewesen. Zu voll war es mit all den ganzen Gedanken und Meinungen um sie herum, die sich letztendlich in ihrem Kopf eingenistet hatten. Wie ein Messie der Gedanken hat sie alles was es gab und auf sie zugekommen ist, wie ein Schwamm aufgesaugt.

Auch jenes was gar nicht für sie bestimmt war. Alles hatte sie aufgelesen und gelagert. Übereinander. Nebeneinander. Jede noch so kleine Lücke hatte sie mit Gedanken gefüllt. Es hatte Jahre – ihr ganzes Leben eben – gedauert, das ganze Gedanken-Chaos in ihrem Kopf zu füllen und nicht nur dort. Bis in die kleinste Zehe hatte sie alles mit Äußerem gepackt gehabt. Platz für Inneres war somit nicht mehr vorhanden gewesen. Aber eines Tages blieb die Zeit stehen. Abrupt – und zwar so plötzlich, dass sie sich nicht mehr festhalten konnte und fiel. All ihre gesammelten Gedanken und Meinungen fielen wie Millionen von Blättern aus ihr heraus. Als sie erwachte fand sie sich begraben unter all diesen Blättern von Alt-Lasten vor. Sie wusste, wollte sie jemals wieder aufstehen, musste sie sich durch diesen Berg durcharbeiten. Zuerst fiel ihr das Wegwerfen mehr als schwer. Sie überlegte Bei jedem einzelnen Blatt lange hin und her, ob sie diesen Gedanken behalten sollte, ihn weiter für richtig halten oder ihn doch lieber frei zu geben. Ihn dorthin zu adressieren, wo er auch wirklich hin gehörte. Mit der Zeit fiel es ihr dann immer leichter schnelle und vor allem für sie richtige Entscheidungen zu treffen. Jenes zu behalten was ihres war und jenes loszulassen, welches sie nicht mehr brauchte, nicht mehr haben wollte. Mittlerweile ist ihr „Zuhause“ kaum wieder zu erkennen. Lichtdurchflutet und „voll“ von Platz zum Atmen und Leben. Es steht ihr wirklich. Es ist ein schönes Gefühl und: sie lässt es zu.

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Ausmisten

Es wird mal wieder Zeit etwas auszumisten. Diesmal soll die komplette Beziehungskiste, in diesem Falle der ganze monströse Schrank, ordentlich entrümpelt werden. Eine Menge Platz für Neues soll endlich her.

Hier hängt nämlich schon eine ganze Menge herrum. Viele kennen das bestimmt auch von ihrem eigenen Kleiderschrank. Manchmal hat sich ordentlich viel angestaut. Hat gar keinen Platz mehr für Neues. Dabei locken einen doch tagtäglich neue Verführungen, die man gerne haben möchte. Platz schaffen lautet somit die Devise. Das Meiste hat man ohnehin schon längst vergessen. Hat es bereits verdrängt, dieses Teil jemals besessen zu haben. Bei genauerer Betrachtung, denkt man sich: „Was hatte ich mir bloß dabei gedacht?“ oder „Kaum zu glauben, dass mir das einmal gefallen hat!“ Ja so einige erschreckende Teile und Abschnitte findet man sowohl im Kleiderschrank als auch in der mehr oder weniger großen Beziehungskiste wieder. Aus manchen Teilen oder Beziehungen ist man aber auch einfach rausgewachsen. Wenn also Kleidungsstücke oder alte Beziehungen irgendwo vergraben und vergessen rumliegen, schadet es wirklich nicht sie endlich hervorzuholen und sich deren gänzlichst zu entledigen. Eine Kleider- oder Typenspende würde sich dabei zum Entsorgen besonders gut anbieten. Vielleicht hat ja doch noch jemand anderer Lust auf das ausgediente Stück. Bitte schön! Einfach zugreifen. Selber will man es ohnehin nur noch loswerden. Gut möglich, dass es einem (oder auch zu einem) anderen viel besser passt. Die Sorge, dass eines der „Teile“ jemals wieder in Mode kommen wird, kann man getrost gedanklich abhaken. Nun gut, bei Kleidungsstücken, könnte das dann doch noch vielleicht eintreten. Was die Ex-Beziehungen anbelangt, so möge das Schicksal gnädig sein und nie wieder so eine schreckliche Partnerwahl schick werden lassen. Nein, das glaub ich nicht. Denn mein Geschmack, sowohl in der einen, als auch in der anderen Richtung hat sich mittlerweile stark verändert. Wahrscheinlich wird man mit der Zeit dann doch etwas reifer. Mit der neuen inneren Ausgeglichenheit kommt auch gleich ein neuer Modestil mit hinzu. Der neueste Trend dabei sind unkomplizierte Schnitte, dezente Farben, die mit auserwählten Elementen zu etwas ganz Besonderem werden. Die Mischung macht es aus. Verschiedene Stile werden zu einem ganz persönlich umwerfenden Look kombiniert. Wenn ich jetzt wieder in meine Kästen blicke, kann ich wirklich mit mir zufrieden sein. Alles weg, das man nicht mehr braucht und Platz ist ebenfalls wieder zur Genüge da. Diesmal wird aber beim Shoppen etwas mehr auf die Qualität geachtet. Fehleinkäufe werden in Zukunft tunlichst vermieden.

Eine kleine Erinnerung habe ich mir dann doch noch aufgehoben. Ein Stück, das ich vor vielen Jahren ganz lange getragen habe und welches mir als Einziges gut in Erinnerung geblieben ist. Diese möchte ich nicht hergeben, sondern in einer schönen Box aufgehoben wissen.