Ganz unten und ganz oben

Wenn die Schwere einen ertränkt und man immer weiter in das tiefe Nass hinabgleitet. Mit jedem Meter abwärts wird es dunkler, aber auch stiller. Eigentlich müsste man sich nur der schweren Steine in seinen Taschen entledigen, sie herausnehmen und aus den Händen gleiten lassen. Während sie ihren Weg nach unten fortsetzten, könnte man selbst mit festen Zügen nach oben schwimmen. Sich der Wasseroberfläche und dem Licht wieder nähern. Stattdessen breitet sich eine innere Gelähmtheit aus und man sinkt immer weiter. Jeder Meter abwärts bedeutet, sich ein Stück weiter weg von der Oberfläche zu befinden. Die Luft wird immer weniger und die Realität scheint sich langsam mit der Fantasie zu vermischen. Wie im Schlaf tauchen die schönsten Gegenden vor einem auf. Man spürt wieder festen Boden unter seinen Füßen und genießt den ersten Atemzug, spürt den Frieden in sich und eine tiefe Geborgenheit zurückkehren. Alles scheint auf einmal möglich. Man greift in seine Taschen und statt schwerer Steine hält man plötzlich große Luftblasen in den Händen. Mit ihnen beginnt man wieder nach oben zu treiben und als der Kopf endlich die ersehnte Wasseroberfläche durchdringt, fühlt es sich an als sei man neu geboren. Man ist dankbar für die Tiefe und für das Sinken, für die Erfahrungen, die man dort machte und für die Erkenntnis, dass man in seinen Taschen immer genau jenen Inhalt mit sich trägt, denn man sich vor Augen hält. Aus diesem Grund schließe ich meine Augen erneut und greife in meine Taschen. Dabei ziehe ich große Luftballons hervor und beginne zu schweben. Immer weiter und immer höher hinaus bringen sie mich. In der Ferne kann ich einen Traum erkennen, jetzt bleibt nur zu hoffen, nicht zu hoch zu schweben. Die starke Sonne könnte meine Ballons zu platzen bringen und ich würde wieder fallen. Unter mir kann ich das weite Meer sehen, aber ich entscheide mich dazu, meinen Blick geradeaus zu richten, auf mein immer näher kommendes Ziel. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich genieße es in der Luft zu schweben. Mir gefällt die Perspektive. Mir gefällt dieses Abenteuer – wohin auch immer es mich letztendlich trägt …

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Ein Traum

Manchmal kommt einem alles wie ein Traum vor. Dinge geschehen für einen kurzen Augenblick. Wunderbare Dinge. Es fühlt sich alles so leicht an. So ungezwungen. So frei. In dem Moment, in dem man aber danach greifen möchte, löst sich der Traum auf. Hält plötzlich nur noch Sand in seinen Händen. Man kann bloß zusehen wie er einem durch die Finger rinnt. Auch der Ort beginnt sich zu verändern. Alles wird düster. Man findet sich in einem ganz anderen Szenario wieder. Dämonen haben einen umzingelt und kommen immer näher. Greifen einen an. Man schlägt um sich und versucht zu fliehen. Man läuft und läuft. Hört hinter sich schwere Schritte. Auf einmal steht man auf einer Klippe. Das Herz pocht wie wild. Man sieht hinunter und unter einem tosende Wellen, die wie wild gegen die Felsen schlagen. Die Dämonen kommen immer näher. Man springt. Fällt und fällt. Eine scheinbare Ewigkeit lang, bis man einen Aufprall spürt. Taucht unter Wasser und plötzlich ist alles still. Man sinkt – immer weiter. Gibt sich dem Meer einfach hin. Dann wacht man auf. Noch völlig verwirrt kommt man langsam an. Will aufstehen. Doch irgendetwas ist anders. Erst jetzt merkt man, dass man in einem Bett aus Treibsand liegt …

Frau Kapitän

Es einfach mal lassen – so richtig und los! Ich habe alle Leinen losgelassen und befinde mich gerade auf hoher See. Fühle mich endlich wieder so richtig frei und möchte diese wiedererlangte Freiheit nicht mehr so schnell hergeben. Brauch ich auch gar nicht – diesmal klappt es! Die Wellen schlagen gegen das Boot, schlagen so hoch, dass auch ich immer wieder etwas abbekomme. Und ich liebe es. Auch das Wetter ist ausgezeichnet, die Sonne scheint. Ich ziehe meine Kapitänsmütze mir lässig ins Gesicht und halte das Steuer fest in der Hand. Ich habe zwar überhaupt keinen Plan, wohin ich will, aber darüber zerbreche ich mir jetzt nicht den Kopf. Möchte einfach meine Fahrt genießen, die Meeresluft und vor allem die Freiheit. Weiterlesen